Laguna 69

Laguna 69 - Nationalpark Huascarán Peru

Laguna 69 – Nationalpark Huascarán Peru

Wanderung zur Laguna 69 – Region Ancash, Peru

Es ist morgens um 4.30 Uhr als uns der Wecker aus dem Bett klingelt. Wir hatten uns in einer der unzähligen Travel-Agencies in Huaraz ein Ticket für die Tour zur Laguna 69 geholt. Mit unserem Rucksack, den wir am Vorabend mit einer Vorfreude und Aufregung gepackt haben, als ob wir eine Everest-Besteigung vor uns hätten, stehen wir nun draußen in der Dunkelheit und warten auf den Bus.

Es geht von Huaraz nach Yungay und weiter

Die Fahrt führt uns drei Stunden aus der Stadt hinaus, durch das Umland von Huaraz. Langsam schleicht sich die Sonne über die Berge und taucht die atemberaubende Landschaft in ein gold-orangenes Licht. Bauernhöfe. Kühe und Lamas am Straßenrand. Ein Mann hockt mit heruntergelassenen Hosen auf der Wiese vor seinem Haus. Irgendwann durchqueren wir einen kleinen Ort. Heute ist Markt und eine der Straßen randvoll mit Frauen in traditioneller Kleidung. Ein Meer aus Farben und Hüten. Alte Lastwagen säumen den Straßenrand. Wir kommen nach Yungay.

Eine Geschichte die schockiert

Der Ort wurde 1970 vollkommen von einer Schlammlawine bedeckt, nachdem ein Erdbeben einen natürlichen Damm genau in dem Tal hat brechen lassen, in dem wir heute wandern wollen. An die 20.000 Menschen verloren damals ihr Leben. Die Lawine kam über einen 200 Meter hohen Bergkamm und begrub alles unter sich. Einzig der Friedhof, der höher als der Rest der Ortschaft lag und in seiner Mitte eine riesige Jesusstatue beherbergt, blieb erhalten. Auf seinen Wegen überlebten 93 Menschen das Unglück. Nicht nur Yungay sondern auch umliegende Dörfer waren betroffen – die Kathedrale von Huaraz ist aufgrund der vielen Naturkatastrophen in diesem Gebiet mehrmals vollständig zerstört worden und noch bis heute eine Baustelle. Man erichtete ein Hilfslager eineinhalb Kilometer nördlich des Unglücksortes und bot den wenigen Überlebenden Grund in einem sicheren Gebiet. Die Anwohner weigerten sich jedoch gegen diese Pläne aus der weit entfernten Hauptstadt Lima und siedelten um das Zeltlager.

Der Rand von „Yungay Nuevo“ reicht heute fast an das alte Stadtgebiet heran, das unter der Moräne aus Eis, Schlamm und Geröll begraben liegt und seither als Gedenkstätte an die vielen Opfer erinnert.

Es geht hoch hinaus – Nationalpark Huascarán

Hier verlässt unser Bus die asphaltierte Straße. Es geht von nun an auf Serpentinen in die Höhe. Häuser werden immer seltener und die wenigen Höfe die es hier noch gibt, sind aus Adobe erbaut. Es fällt einem schnell auf, dass es kaum mehr Fenster in den Häusern gibt. Jeder einzelne Quadratmeter wird landwirtschaftlich genutzt. Die Felder ergeben ein schönes, ungleichmäßiges Mosaik. Man kann über das Tal auf die Bergkette mit dem für die Anden typischen Muster blicken.

Wir kommen in das kleine Dorf in dem es Frühstück geben soll. Es muss so gegen halb neun sein und wir machen vor einer der Adobe-Mauern halt. Ein windschiefes Klohäuschen. Zwei junge Schweine spielen an einem Bein festgebunden fröhlich im Schlamm. Hinter der Mauer versteckt sich ein überraschend großer Hof mit Tischen und – weniger überraschend – Plastestühlen. Diese sind so kalt, dass wir uns nicht setzen können, das Frühstück schmeckt aber trotzdem sehr gut. Wie geschäftig hier doch die Leute sind. Da werden die Hühner eingesperrt und der Hinterhof wird im Handumdrehen zum Touri-Restaurant in das jeden Tag wahrscheinlich 200 Wanderlustige Gringos zum Frühstück à la Carte gekarrt werden. Nach einer halben Stunde Pause geht es wieder in den Bus.

Laguna de Llananuco

Wir durchqueren den Eingang zum „Parque Nacional Huascarán“. Und erst jetzt geht es richtig bergauf. Im Affentempo schrauben wir uns den Berghang hoch. Die Felswand über uns ist pechschwarz und scheint sich im Überhang über den Bus zu beugen. Wir kommen zu unserem ersten Stop, der Laguna de Llanganuco und sind sprachlos. Das türkisblaue Wasser, die Berge in der Umgebung und eine Stille, wie man sie nur aus den Bergen kennt. Im Hintergrund erhebt sich der Gipfel des Huascarán, des mit 6768m höchsten Berg Perus. Leider heißt es nach 10 Minuten schon wieder einsteigen, schließlich haben wir noch einiges vor an diesem Tag.

Laguna de Llanganuco im Nationalpark Huascaran in Peru

Laguna de Llanganuco

Die Fahrt führt uns vorbei an einer weiteren Lagune, hinein in eine immer magischer werdende Landschaft. Eine Kuh trinkt in der Ferne aus dem See, man glaubt sie auf dem Wasser gehen zu sehen. Vorbei an einem Campingplatz und ein weiteres Stück bergauf, kommen wir an das Ziel unserer Fahrt. Doch das ist erst der Anfang.

Wir befinden uns auf 3700m Höhe und ab jetzt geht es weiter zu Fuß. Einige in den Fels gehauene Stufen führen uns hinunter zum Weg und wir können einen unglaublichen Blick auf das Tal erhaschen, durch das wir soeben gekommen waren. Am Fuße dieser natürlichen Treppe aus Stein liegt es dann vor uns – Märchenland. Es ist wohl kaum zu beschreiben, was diese Landschaft ausstrahlt. Weite, Frische, Unberührtheit und zeitgleich eine Gewaltigkeit, die einem zu spüren gibt, wie klein der Mensch doch in Anbetracht solcher Naturgegebenheiten ist. Ein kleiner Fluss in der Mitte führt kristallklares Gletscherwasser. Bäume am Wegesrand haben eine Rinde wie aus Blätterteig.

Auf dem Weg zur Laguna 69 im Nationalpark Huascaran Peru

Märchenland

"Blätterteig"-Baum auf dem Weg zur Laguna 69 im Hintergrund die Laguna de Llanganuco

„Blätterteig“-Baum

 

Der abenteuerliche Aufstieg zur Lagune

Nach ein paar hundert Metern wird der Weg allmählich steiler. Aus der Felswand am linken Ende des Tals springt ein Wasserfall. Hinter uns schneebedeckte Gipfel. Der Anstieg ist schwer. Endlich oben angekommen dreht der Weg plötzlich ab und führt uns hinüber auf die andere Seite der Tals. Und hoch zum Wasserfall. Von wegen wir haben es gleich geschafft – es kommt eben doch immer anders als gedacht. Alles was wir bisher als steil empfunden haben war ein Sonntags-Spaziergang gegen diesen Anstieg. Die Luft wird für unsere Stadtlungen dünn, man atmet schwer. Alle paar Schritte eine Pause um durchzuatmen. Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass sich dieser Wasserfall an dessen Fuß wir uns gerade befinden, aus der Lagune speisen muss. Keine Ahnung wie spät es ist und irgendwie ist das auch egal. Hier gibt es keine Uhren.

Das Ziel in Sicht?

Völlig außer Atem kommen wir dann irgendwann oben an. Hinter einem großen Felsen liegt zwar eine kleine Lagune, nur sieht diese irgendwie anders aus als im Prospekt – es kommt eben doch anders als gedacht.

Chinchilla auf dem Weg zur Laguna 69 im Nationalpark Huascaran in Peru

Chinchilla

Eigentlich schon am Ende mit unserer nicht allzu stark entwickelten Kondition, sind wir auf einer wunderschönen Hochebene angekommen, deren Ende man in der Ferne nur erahnen kann. Es sieht genau so schön aus wie am Anfang unserer Wanderung, nur liegt alles ein paar hundert Meter weiter oben in den Bergen. Kühe weiden auf frischem Gras. Wir fragen uns, wie die wohl hier hergekommen sind und sie denken sich offensichtlich das gleiche.

Am Ende der Ebene erhebt sich eine gewaltige Felswand. Rechts von ihr ein Berg aus Geröll, in weiter Ferne die Gletscher vor dem blau des Himmels. Eine Gruppe Chinchillas versteckt sich in den Felsen. Sie sind kaum zu erkennen mit ihrem Fell grau wie Stein. Und dann geht es wieder bergauf. Am oberen Ende des Weges erkennen wir kleine bunte Punkte. Die Wanderjacken unserer Mitstreiter. Dieser Anstieg hat es in sich. Alle drei Schritte eine Atempause. Der Kreislauf macht was er will. Kopfschmerzen setzen ein. Wasserflasche, Müsli-Riegel, weiter.

Das wohl schönste Blau der Welt

Wir kommen alle an unsere Grenzen und weiten diese noch ein wenig aus. Irgendwann – wir wissen nicht nach welcher Zeit – kommen wir schließlich oben an. Zu kleinen Türmen gestapelte Steine zeigen, dass hier ein besonderer Ort sein muss. Und ein paar Schritte weiter durch das weiße Gestein liegt sie dann endlich vor uns.

Die Laguna 69 mit Gletscher im Hintergrund

versteckt wie ein verborgener Schatz

Die Laguna 69 mit Wasserfall und Gletscher

Gletscherwasser

Das Blau der Laguna 69 im Nationalpark Huascaran in Peru

Das Blau der Laguna 69 ist blauer als alles Blau was wir je zuvor gesehen haben. Die Farben ändern sich je nach Lichteinfall, sodass von dunklem Royal bis zu leuchtendem Türkis alles vertreten ist. Wir suchen uns eine ruhige Stelle am steinigen Ufer, lassen mit dem Rucksack auch die Strapazen der Wanderung von unseren Schultern fallen und genießen das Schauspiel – denn die Magie dieses Ortes überwältigt jeden seiner Besucher und lässt die körperliche Anstrengung vergessen.

Erschöpft aber glücklich – der Abstieg

Ein Mann geht in dem eisigen Wasser baden. Lange halten wir es auf 4700m Höhe nicht aus, denn die Höhenkrankheit macht sich allmählich bemerkbar. Deshalb machen wir uns gleich nach einem kurzen Picknick an den Rückweg. Wieder liegen die 7km vor uns, die wir gerade erst in mühevoller Kleinstarbeit bezwungen hatten, und anders als erwartet ist der Abstieg nicht weniger anstrengend. Am Nachmittag kommen wir schließlich erschöpft aber glücklich unten an und waschen uns die Gesichter im Gletscherbach. Wir lehnen uns an einen Stein und staunen darüber was da über den Tag hinweg mit uns passiert ist.

Der Huascaran im Nationalpark Huascarán beim Abstieg von der Laguna 69

Nationalpark Huascarán

Die Busfahrt nach Huaraz dauert eine scheinbare Ewigkeit. Schließlich werden wir irgendwann in der Dunkelheit – wie Neulinge auf einem anderen Planeten – am Plaza de Armas aus dem Bus gelassen.


Deine eigene Tour zur Laguna 69:

Tour Agencies gibt es in Huaraz mindestens genau so viele wie Straßenhunde. Wir haben die One-Day-Tour zur Laguna 69 bei Quechauandes gebucht – und waren voll zufrieden!

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