Von Copacabana über den Titicaca-See zur Isla del Sol

Boote zur Isla del Sol in Copacabana Bolivien am Titicaca See

Unsere Reise führt uns weiter auf die Isla del Sol in Bolivien. Von Copacabana aus geht es für ein paar Tage auf die Insel im Süden des Titicaca-Sees.

Ohne einen Centavo nach Bolivien

Nach über einem Monat in Peru fahren wir mit dem Bus von Puno nach Copacabana – Bolivien. Wir verlassen am frühen Morgen das Hotel in Puno und nehmen uns ein Taxi zum Bus-Terminal. Wir laden unser Gepäck in den Kofferraum und steigen ein. Kaum los gefahren suchen wir unser Portemonnaie und müssen feststellen, dass das Geld für das Taxi leider nicht mehr reicht.

Der ständige Währungswechsel auf der Reise hat uns gelehrt, das Geld in den einzelnen Ländern so gut es geht aufzubrauchen, was uns dieses Mal wohl etwas zu gut gelungen ist. Also legen wir einen kurzen Stopp an einem Bankautomaten ein. Der nimmt natürlich – wie wäre es in solchen Momenten auch anders zu erwarten – meine Karte nicht an. Wir hatten irgendwo tief in unseren Taschen noch einen einzigen Glücks-Dollar versteckt und dieser kommt uns nun wie gerufen. Wir geben dem Taxifahrer 3 Sol, 1 Dollar, alle unsere restlichen Céntimos und gehen glücklich getrennte Wege.

Der Bus steht bereits am Terminal und füllt sich langsam. Alle sind damit beschäftigt ihre Immigration-Cards auszufüllen. Irgendwie herrscht heute Unruhe. Eine halbe Stunde später geht es dann schließlich los.

Der Grenzübergang in Yunguyo

Die Strecke führt uns entlang des mit Schilf bewachsenen Ufers des Titicaca-Sees. Es ist immer wieder beeindruckend wie groß er doch ist – ein Meer ohne Wellen. Selten sieht man das gegenüber liegende Ufer.  Man vergisst schnell, dass man sich doch eigentlich auf dem Altiplano in einer Höhe von 3700m befindet.

Irgendwann hält der Bus damit wir alle Geld wechseln können – außer uns, denn unseres liegt auf dem Konto und da kommen wir gerade nicht ran. Wir sind mittlerweile mehrere Tage in verschiedenen Bussen quer durch Südamerika unterwegs gewesen, aber einen Stop um Geld zu wechseln gab es noch nie. Eine Gruppe Italiener fängt heiß das Diskutieren über Geldbeträge an. Wir werden etwas nervös.

Am Grenzübergang Yunguyo, holen sich alle Ausreisestempel. Die Aufregung ist warum auch immer groß, überall unruhiges Gequassel – ein Beamter gibt Anweisung Zweierreihen zu bilden. Man geht zu Fuß über die Grenze. Für fünf Minuten sind wir sozusagen staatenlos. Aus dem einen Land schon raus, im anderen noch nicht drin.

Auf der anderen Seite des Steintors, das den Ausgang Perus und den Eingang Boliviens markiert, holen wir uns in einem kleinen Häuschen unseren Einreisestempel und steigen wieder in den Bus.

Copacabana

Nach einer kurzen Fahrt halten wir erneut. Zwei Männer steigen zu und fangen an Geld zu kassieren. Keiner weiß so richtig warum, lassen aber fleißig Bolivianos in die Hände der Männer fallen. Als wir an der Reihe sind, versuchen wir klar zu machen, dass wir nichts mehr haben, bis uns einfällt, dass doch irgendwo ganz unten in der Tasche noch ein einziger letzter Sol – als Andenken – steckt. Der Mann willigt ein, wir sind durch und bekommen zwei Tickets in die Hand. Unsere Glücksbringer haben uns an diesem Tag wirklich gut durchgebracht, auch wenn sie am Ende für Straßenmaut weggegangen sind.

Copacabana liegt direkt am Ufer des Titicaca-Sees und gilt als das Tor zur Isla del Sol. Anstatt gleich weiterzuziehen, entscheiden wir uns ein paar Tage zu bleiben, bevor es auch für uns auf die Insel gehen soll. Und es hat sich wirklich gelohnt.

Boote im Sonnenuntergang in Copacabana am Titicaca See in Bolivien

Der Ort ist voll mit kleinen Cafés und Bars und lädt zum Schlendern am Seeufer ein. Die Tickets auf die Insel zu bekommen ist angesichts der unzähligen Verkäufer kein Problem. Wir hatten uns im Voraus bereits eine Unterkunft gesucht und so schippern wir am Morgen unseres vierten Tages in Copacabana in einer Nussschale über den See. Eineinhalb Stunden später erreichen wir den Süden der Isla del Sol.

Isla del Sol

Die Insel liegt im südlichen Teil des Titicaca-Sees und gilt als die Wiege der Inka-Kultur. Der Legende zufolge ist dies der Ort, an dem der Sonnengott Inti seinen Sohn Manco Capac zusammen mit dessen Schwester Mama Oclla auf die Erde geschickt hat. Von hier aus gingen sie mit der Aufgabe in die Welt, das Reich der Inka zu gründen.

Heute leben circa 800 Menschen auf der Isla del Sol, die meisten in Yumani, der größten Siedlung im Süden der Insel. Die zweite größere Siedlung Ch’allapampa befindet sich im nördlichen Teil. Die Einwohner gehören zum Stamm der Aymara und leben heute hauptsächlich von der Landwirtschaft und vom Tourismus. Die Landschaft ist karg, auf dem felsigen Grund wächst nicht viel. Auf 3700m befinden wir uns oberhalb der Baumgrenze und auch hier ist Eukalyptus eine der wenigen Baumarten die hier wachsen. Er wurde aus Australien eingeführt und ist heute in ganz Südamerika weit verbreitet. Natürlich hat das wie alles seine Vor-und Nachteile. Zwar wächst das Holz relativ schnell und bildet so eine gute Quelle für Feuerholz. Auf der anderen Seite verbraucht er aber viel Wasser, was vor allem für die Bewohner des Altiplanos – einer ohnehin wasserarmen Gegend – bald zum Verhängnis werden könnte.

Wie der Name schon sagt, gibt es vor allem eines viel hier auf der Insel – Sonne. Die meisten Häuser sind traditionell aus Adobe gefertigt. Da es auf der Isla del Sol keinerlei Autos oder motorisierte Fahrzeuge gibt, sind das Hauptfortbewegungsmittel Esel, Lamas und Alpakas, die mit Stöcken durch die engen steinigen Gassen getrieben werden.

Ein Esel bei Vollmond auf der Isla del Sol im Titicaca See in Bolivien

Nachdem wir uns vorerst geirrt hatten und in die falsche Herberge eingecheckt haben, finden wir letztlich doch noch die richtige. Das Hostal del Sol ganz oben im Ort. Die Familie ist nett und herzlich, die Unterkunft klein und fein und das Frühstück im Hof fantastisch. Wir genießen den Ausblick auf die gegenüberliegende Isla de la Luna, die Ruhe, unglaubliche Sternenhimmel und ein paar Tage ohne Empfang.

Sonnenuntergang auf der Isla del Sol im Titicaca See in Bolivien

Die Insel ist beliebt für ihre Wanderwege und so schnüren auch wir unsere Wanderschuhe und machen uns auf den Weg – einmal von Nord nach Süd. Die kleine Fähre bringt uns am Morgen nach Ch’allapampa von wo aus zwei Wanderwege zurück nach Yumani führen. Es ist wirklich kein Wunder, dass der Sonnengott ausgerechnet die Isla del Sol für den ersten Inka auserkoren hat – es ist ein wirklich besonderer Ort.

Las Velas

Noch in Copacabana hatten wir in einem Café den Tipp bekommen, das Restaurant „Las Velas“ ganz oben im Eukalyptushain zu suchen, deshalb machten wir uns gleich an unserem ersten Tag auf der Insel auf die  Suche. Und es sollte in den kommenden Tagen zu unserer zweiten Unterkunft werden. Das Ehepaar, das gemeinsam dieses Restaurant betreibt, bietet eine Küche der Spitzenklasse an einem Ort, der einen irgendwie nicht mehr los lassen will. Ganz ohne Strom, bekochen Sie ihre Gäste mit Stirnlampe und bei Kerzenlicht – und das alles mit dem wohl besten Ausblick den die Isla del Sol zu bieten hat.

Das Restaurant Las Velas auf der Isla del Sol im Titicaca See in Bolivien

Nicht umsonst wird die Insel als eines der Highlights am Titicaca-See oder sogar als eines von ganz Boliviens bezeichnet. Viel hat sich in den letzten Jahrhunderten dort wohl nicht geändert. Uns als Reisende gibt dieser Ort vor allem eines – Ruhe und die Möglichkeit sich den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zuzuwenden.

Kommentar verfassen